Probleme & Herausforderungen
Ein effektives Nacherntemanagement ist entscheidend, um Ertragseinbußen und phytosanitäre Risiken zu minimieren. Ausfallraps, Ackerfuchsschwanz und Maiszünsler stellen komplexe Herausforderungen dar: Sie überdauern im Boden, fördern Krankheiten und Schädlinge und entziehen sich herkömmlicher Bekämpfung. Gleichzeitig bedrohen Erosion und Klimawandel die Bodenfruchtbarkeit. Mechanische, flache Bodenbearbeitung gewinnt daher an Bedeutung, um Schadorganismen zu regulieren und die natürlichen Bodenfunktionen langfristig zu sichern.
Ausfallraps und Nacherntemanagement nach Winterraps
Ausfallraps stellt eine bedeutende ackerbauliche und phytosanitäre Herausforderung dar. Die auf den Feldern verbliebenen Rapssamen zeigen ein hohes Maß an Keimfähigkeit, keimen jedoch nicht alle unmittelbar nach der Ernte. Ein Teil der Samen befindet sich in primärer Keimruhe (Dormanz) und keimt erst bei geeigneten Umweltbedingungen in den Wochen nach der Ernte. Ein weiterer Anteil kann durch ungünstige Bodenbearbeitung, insbesondere durch zu tiefe Einarbeitung, in eine sekundäre Keimruhe versetzt werden. Diese Samen bleiben dann über Monate oder sogar Jahre im Boden keimfähig, ohne aufzulaufen. Sie keimen schlimmstenfalls erst während der nachfolgenden Kultur oder sogar erst im nächsten Rapsanbau.
Phytosanitär besonders problematisch ist, dass Ausfallraps auch außerhalb des geplanten Rapsanbaus als Wirtspflanze für verschiedene Krankheitserreger und Schadinsekten dient. So kann sich beispielsweise der Erreger der Verticillium-Welke, Verticillium longisporum, im Boden anreichern, wenn er durch dauerhaft vorhandene Ausfallrapspflanzen kontinuierlich versorgt wird. Auch Sclerotinia sclerotiorum (Erreger der Weißstängeligkeit), Leptosphaeria maculans (früher Phoma lingam, Erreger der Wurzelhals- und Stängelfäule) sowie Alternaria brassicae und Alternaria brassicicola (Erreger der Alternaria-Blatt- und Schotenfleckenkrankheit) können über Ausfallraps überdauern und sich unkontrolliert ausbreiten.
Zudem dient Ausfallraps dem Rapserdfloh (Psylliodes chrysocephala) als kontinuierliche Nahrungs- und Vermehrungsgrundlage und verlängert dadurch seine Aktivitätsperiode.
Besonders kritisch ist auch die Förderung von Plasmodiophora brassicae, dem Erreger der Kohlhernie, einer schwer bekämpfbaren Bodenkrankheit, die über Jahrzehnte im Boden infektiös bleiben kann. Die wiederholte und unkontrollierte Entwicklung von Ausfallraps erhöht das Risiko der Anreicherung dieses Pathogens erheblich.
Die Folge ist ein steigender Krankheits- und Schädlingsdruck beim nächsten regulären Rapsanbau, was nicht nur die Wirtschaftlichkeit gefährdet, sondern auch die langfristige Anbaueignung von Raps auf betroffenen Schlägen infrage stellt.
Ein weiterer Nachteil: Im heutigen Anbau wird fast ausschließlich Hybridsaatgut eingesetzt. Auflaufender Ausfallraps stammt somit von Kreuzungen heterozygoter Elternlinien. Die Nachkommen weisen – im Gegensatz zur Hybridsorte – keinen Heterosiseffekt mehr auf, sondern unterliegen der Inzuchtdepression, was ihre Vitalität und Konkurrenzkraft weiter einschränkt und zu einem uneinheitlichen Pflanzenbestand führt.
Auch nährstoffbezogen birgt Ausfallraps Risiken: Raps hinterlässt erhebliche Mengen an Stickstoff im Boden – sowohl im Wurzelraum als auch im organischen Rückstandsmaterial. Die nachfolgende Kultur (meist Winterweizen, Wintergerste oder ein anderes Wintergetreide) hat im Herbst jedoch nur einen geringen Stickstoffbedarf. Wird dieser durch intensive und tiefe Bodenbearbeitung unnötig mineralisiert, steigt das Risiko von Nährstoffverlusten durch Auswaschung deutlich. Eine ultraflache Bodenbearbeitung, wie sie mit dem GrindStar mit maximal 2 cm Arbeitstiefe möglich ist, reduziert diesen Effekt deutlich. Sie regt gezielt die Keimung des Ausfallrapses an, vermeidet aber weitgehend die Stickstofffreisetzung aus tieferen Bodenschichten und minimiert somit die Gefahr unerwünschter Nährstoffdynamiken.
Effektives Nacherntemanagement ist somit essenziell, um die negativen agronomischen, phytosanitären und umweltbezogenen Folgen des Ausfallrapses nachhaltig zu minimieren.
Ungräser – speziell Ackerfuchsschwanz
Ackerfuchsschwanz (Alopecurus myosuroides) zählt zu den wirtschaftlich bedeutendsten Ungräsern im mitteleuropäischen Getreideanbau. Besonders in Wintergetreidekulturen wie Winterweizen oder Wintergerste kann er bereits bei mittlerem Besatz zu erheblichen Ertragseinbußen führen.
Die effektive Bekämpfung gestaltet sich schwierig – nicht zuletzt aufgrund der ausgeprägten Keimruhe seiner Samen. Ackerfuchsschwanz weist sowohl eine primäre Dormanz auf, die eine sofortige Keimung nach der Samenreife verhindert, als auch eine sekundäre Dormanz, die durch ungünstige Umweltbedingungen wie eine tiefe Einarbeitung in den Boden ausgelöst werden kann. Dadurch bleiben die Samen über Jahre im Boden keimfähig und führen unter geeigneten Bedingungen zu einem verzögerten, oft unkontrollierten Auflauf. Dies erschwert die gezielte Bekämpfung erheblich und macht ein langfristig abgestimmtes Management notwendig.
Hinzu kommt die zunehmende Resistenzbildung gegenüber wichtigen Herbiziden. Besonders betroffen sind Wirkstoffe wie Pinoxaden und Mesosulfuron die in der Vergangenheit zur Standardbehandlung gehörten. Diese Resistenzen schränken die Wirksamkeit chemischer Maßnahmen zunehmend ein.
Ein besonders schwerwiegender Einschnitt in das Resistenzmanagement ist der drohende Wegfall von Flufenacet, das bisher eine zentrale Rolle in der Vorauflaufbehandlung spielte. Die verbleibenden Wirkstoffe bieten nur noch eingeschränkte Bekämpfungsmöglichkeiten, was die Bedeutung mechanischer Verfahren weiter erhöht.
Vor diesem Hintergrund gewinnt das flache Nacherntemanagement zunehmend an Relevanz. Ziel ist es, möglichst viele Samen des Ackerfuchsschwanzes zur Keimung anzuregen, um die Keimlinge anschließend mechanisch zu regulieren. Entscheidend ist dabei eine ultraflache Bodenbearbeitung, um eine Reaktivierung der Dormanz durch Vergraben der Samen zu vermeiden.
Maiszünsler
Der Maiszünsler (Ostrinia nubilalis) zählt zu den bedeutendsten Schadinsekten im Maisanbau und verursacht jährlich teils erhebliche wirtschaftliche Schäden. Die Larven dringen nach dem Schlupf in die Stängel ein, wodurch die Pflanzen in ihrer Standfestigkeit geschwächt und anfällig für Lager und Sekundärinfektionen werden. Vor allem Fusarium-Pilze finden in den beschädigten Pflanzenteilen ideale Eintritts- und Entwicklungsbedingungen. Die daraus resultierenden Mykotoxine, wie Deoxynivalenol (DON), führen zu Qualitätsverlusten und stellen eine Gefahr für Mensch und Tier dar.
Die Bekämpfung des Maiszünslers ist herausfordernd, da sich die Larven gut geschützt im Inneren der Stängel entwickeln und überwintern. Besonders problematisch ist der untere Stängelbereich, einschließlich des Wurzelhalses, der selbst nach der Ernte über längere Zeit stabil bleibt und als ideales Überwinterungsquartier dient.
Die intensive Stoppelbearbeitung nach der Ernte ist daher ein zentraler Baustein im integrierten Zünslermanagement – sowohl nach Silomais als auch nach Körnermais. Ziel ist es, die Stoppel mechanisch zu zerstören und damit die Winterruhe der Larven zu stören. Nur wenn die Stängel zerkleinert, aufgerissen und im Wurzelhalsbereich bearbeitet werden, kann der Lebenszyklus des Schädlings effektiv unterbrochen werden.
Ohne gezielte Stoppelbearbeitung bleibt der Großteil der Larven ungestört und es kann zu einer hohen Populationsdichte im Folgejahr kommen.
Besonders nach Körnermais, dessen Ernte spät im Jahr erfolgt, ist eine angepasste, effektive Bearbeitung der Stoppeln und Ernterückstände unerlässlich. Nur so lässt sich die Überwinterung der Larven flächig unterbrechen und das Risiko eines massiven Befalls im kommenden Jahr reduzieren.
Wind- und Wassererosion – Bodenschutz
Der Acker- und Pflanzenbau steht angesichts multipler Herausforderungen an einem Wendepunkt. Der Erhalt und die Förderung der Bodenfruchtbarkeit bilden dabei eine zentrale Voraussetzung für die langfristige Produktivität. Gleichzeitig steigt der Druck, ökologischen und klimatischen Entwicklungen Rechnung zu tragen.
Ein zentrales Problem stellt die zunehmende Erosionsgefährdung durch Wind und Wasser dar. Intensive Bodenbearbeitung, fehlende Bodenbedeckung und Starkniederschlagsereignisse führen vielerorts zu Bodenschäden, Nährstoffverlusten und langfristiger Verarmung der Ackerböden. Auch die Winderosion – insbesondere auf leichten Standorten – nimmt infolge trockener Frühjahre und fehlender Mulchbedeckung deutlich zu.
Mit dem Rückgang der organischen Substanz sinkt nicht nur die Speicherfähigkeit des Bodens für Wasser und Nährstoffe, sondern auch seine strukturelle Stabilität. Das Bodenleben leidet unter wiederholten Eingriffen, starker Bearbeitung und fehlendem Futter in Form von organischer Substanz. Die biologische Aktivität – ein zentraler Motor für Nährstoffdynamik und Bodenstruktur – wird geschwächt, was negative Rückkopplungen auf Ertrag und Resilienz zur Folge hat.
Der Klimawandel verschärft diese Entwicklungen weiter: Längere Trockenphasen, Hitzeextreme und unvorhersehbare Wetterereignisse stellen die Anbausysteme auf eine harte Probe. Gleichzeitig wächst der gesellschaftliche und politische Druck, den Ackerbau nachhaltiger, resilienter und emissionsärmer zu gestalten – bei gleichzeitigem Erhalt der Erträge.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, braucht es angepasste, möglichst bodenschonende Verfahren. Reduzierte und flache Bodenbearbeitung, Zwischenfrüchte, Mulchsaat und vielfältige Fruchtfolgen sind Bausteine eines nachhaltigen Ackerbaus. Ziel muss es sein, die natürlichen Bodenfunktionen zu erhalten und gleichzeitig die Produktionssicherheit unter sich wandelnden Rahmenbedingungen zu gewährleisten.
Saphir Maschinenbau GmbH
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